Keine Angst vor Giftködern!

So bringst du deinem Hund bei, kein Futter vom Boden zu fressen

Immer wieder liest man sie oder hört man es von Freunden und Bekannten: Giftköder-Warnungen auf beliebten Gassirunden. Nägel, Glasscherben oder Rattengift, verpackt in Leckereien wie Leberwurst oder Käse können schnell zur bösen Falle für Hunde werden – im Worst Case bezahlt der Hund seine Fresslust mit seinem Leben. 

Bedeutet das, dass Blissi nicht mehr frei laufen darf und stattdessen angeleint bleiben muss, damit ihr Frauchen die Spaziergänge noch genießen kann und nicht ständig auf der Hut sein muss? Nicht unbedingt. Denn Hunde können lernen, Giftköder nicht zu fressen. Nicht die leichteste Aufgabe, aber machbar, wenn man sie richtig angeht. Wir geben Tipps, wie ein erfolgreiches Anti-Giftköder-Training aufgebaut sein kann. Zur Grundausrüstung gehören dabei ein bequemes Brustgeschirr und eine Leine, die gut in der Hand liegt. Außerdem brauchst du verschiedene Leckerli und einen Clicker.

1. Auf den Clicker konditionieren

Anti-Giftköder-Training lässt sich optimal mit dem Clicker aufbauen. So hat der Hund genug Motivation mitzuarbeiten und er weiß, dass auch etwas für ihn zu holen ist. Deswegen ist es am Anfang wichtig, dass der Hund den Klick mit einer richtig guten Belohnung verbindet. Nur so ist der Reiz groß genug, auf die Belohnung zu warten statt später Futter vom Boden einfach aufzusaugen. Etabliere also den Clicker als Markersignal und füttere deinem Hund seine Lieblingsleckereien.

2. „Pfui“ und „da nimm’s“

Für ein erfolgreiches Anti-Giftköder-Training sollte dein Hund sich zum einen vom Futter abrufen lassen und zum anderen auf ein Freigabe-Signal warten, bevor er frisst. Das Abrufen kannst du gut mit zwei Arten von Leckerli trainieren. Rufe deinen Hund vom nicht ganz so beliebten Futter mit dem immer gleichen Wort, zum Beispiel „pfui“ ab, etwa, indem du dich darauf stellst oder deine Hand darum verschließst. Clicke, wenn er sich davon abwendet und belohne ihn mit seinem Lieblingsfutter. Dann erteilst du das Freigabewort und lockst ihn zurück zum ersten Leckerli, das er dann ebenfalls fressen darf. Im nächsten Schritt nimmst du den Hund an die Leine und ihr simuliert das Szenario in der Bewegung, indem ihr an Futter auf dem Boden vorbei lauft. Du rufst ihn ab, belohnst ihn für den Gehorsam und gibst erneut die Freigabe für das Futter auf dem Boden. Hat dein Hund das verinnerlicht, kannst du versuchen, ob der Gehorsam auch ohne Leine wie bei einem Spaziergang klappt. Die Schwierigkeit kannst du weiter erhöhen, indem du das ausgelegte Futter immer leckerer machst.

3. Stoppen statt Verschlingen

Weiter kannst du deinem Hund beibringen, gefundenes Futter nur anzusehen, statt es direkt einzusammeln. Das kann er ebenfalls mit dem Clicker lernen. Lege ein mäßig beliebtes Futter aus, gehe mit deinem Hund an der Leine darauf zu – wichtig ist, dass ihr zu Beginn gut Abstand habt, dann wird die Übung leichter. Schaut dein Hund das Futter an, was mit Sicherheit passieren wird, clickst du und belohnst deinen Hund mit etwas richtig Leckerem. Damit unterbrichst du das unerwünschte Verhalten (Futter einsammeln und fressen) und verstärkst das erwünschte (anschauen und warten). Arbeite dich Schritt für Schritt an das Futter auf dem Boden heran – dein Hund wird verstehen, dass er stehen bleiben soll, um die Belohnung zu erhalten. Hat dein Hund gewartet, kannst du ihm ein Freigabesignal geben und er darf sich das Futter auf dem Boden holen. Wiederhole die Übung mit verschiedenen Arten von Futter, an verschiedenen Orten und erweitere den Abstand zwischen dir und deinem Hund.

4. Ausgelegtes Futter melden

Im nächsten Schritt bringst du deinem Hund bei, gefundenes Futter anzuzeigen, indem er sich davor hinsetzt. Das kannst du dann angehen, wenn er verinnerlicht hat, dass er sich gefundenes Futter nicht einfach einverleibt, sondern davor stehen bleiben kann und zögert. Clicke für das Hinschauen zum Futter, gib dein Sitz-Kommando und dann rückst du das Leckerli raus. Wichtig ist dabei, dass du Abstand zum Futter auf dem Boden hälst. Verzichte dann auf das Sitz-Kommando, sondern warte darauf, dass dein Hund sich von alleine hinsetzt. Dafür belohnst du ihn mit Leckerli und Freigabe-Signal für das Futter auf dem Boden. Im dritten Schritt clickst du für das Warten und das Hinsetzen. Erhöhe dann die Schwierigkeit, indem du näher an das Futter herangehst. Ziel dieser Übung ist es, dass sich dein Hund direkt vor dem Futter freiwillig hinsetzt und wartet. Auch jetzt generalisierst du die Übung, indem du Orte, Zeiten, Abstand und Futter wechselst.

5. Futter ausspucken

Hilfreich im Anti-Giftköder-Training ist es auch, wenn dein Hund gelernt hat, Futter auf Kommando wieder auszuspucken oder loszulassen.

Gängige Fehler

Vermeide Suchspiele, bei denen sich dein Hund wie ein Staubsauger verhalten darf. So lernt er, dass er Futter vom Boden ohne Freigabe fressen darf – und das willst du ja gerade verhindern. Verbiete aber nicht grundsätzlich, Futter vom Boden zu nehmen. Sonst wird der Reiz für deinen Hund zu groß. Erlaube es, aber etabliere das Freigabe-Signal. Wichtig zu wissen: Strafe funktioniert nicht, wenn Futter im Spiel ist. Dein Hund wird beim nächsten Mal dann einfach versuchen, schneller oder heimlich zu fressen. Erlaube außerdem anderen Menschen nicht beliebig deinen Hund zu füttern. Sei konsequent: Wenn du Regeln aufgestellt und Abläufe etabliert hast, musst du sie einhalten, damit sich dein Hund auf dich verlassen kann.

 

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