Pfotenschleifen beim Hund – was dahinter steckt

Es fing schleichend an. Irgendwann stellte die Besitzerin von Schäferhund Joe fest, dass ihr Hund seine Hinterbeine nicht mehr voll einsetzte. Immer mal wieder ließ er eine Pfote über den Boden schleifen, manchmal schlurfte er sogar mit beiden.

Dieses Pfotenschleifen kann man bei manchen älteren Hunden beobachten. Oft gehen Herrchen oder Frauchen dann davon aus, dass der Hund im Alter eben etwas bequemer und unflexibler geworden ist und die Beine einfach nicht mehr richtig anheben will. Doch leider ist das Pfotenschleifen meistens keine Form der Bequemlichkeit, sondern ein Anzeichen für eine Erkrankung des Bewegungsapparates und ein Hinweis auf neurologische Schäden.

Die Ursache liegt oft in einer neurologischen Erkrankung, bei der das Knochenmark beschädigt wird. Pfotenschleifen ist zum Beispiel ein Symptom für einen Bandscheibenvorfall, das Wobbler Syndrom oder das Cauda Equina Syndrom (CECS). Aber auch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, die Spondylose, können es auslösen. Die Degenerative Myelopathie kann ebenfalls mit Pfotenschleifen einhergehen.

Degenerative Myelopathie

Bei der degenerativen Myelopathie bildet sich das Myelin, eine Schutzschicht der Nerven, zurück. Die Nervenbahnen in der Brust- und Lendenwirbelsäule büßen dabei ihre Funktion ein, was mit immer stärkeren Bewegungsstörungen und -einschränkungen, den Ataxien, verbunden ist. Die Hunde laufen unsicher oder breitbeinig, können nicht gerade sitzen und haben ihre Bewegungen nicht unter Kontrolle. Im fortschreitenden Stadium kommt es zu Lähmungen. Vor allem die Hinterhand ist betroffen – oft leiden Schäferhunde unter der chronischen Krankheit. Meistens sind ältere Hunde betroffen. Erkranken Jungtiere, liegt ein Gendefekt oder eine Infektion zugrunde.
Die Krankheit ist nicht heilbar – Physiotherapie kann aber helfen, dem Muskelschwund entgegenzuwirken. Er entsteht, da die Beweglichkeit des Hundes immer stärker eingeschränkt wird.

Cauda Equina Syndrom (CES)

Das Cauda Equina Syndrom beschreibt als Überbegriff Erkrankungen am Übergangs der Lendenwirbel zum Kreuzbein, bei denen es ebenfalls zu einer Schädigung der Nerven kommt. Die Nerven, die vom Schwanz in die Wirbelsäule übergehen, werden durch degenerative Veränderung der Wirbelsäule wie einer Arthrose gequetscht, schwellen an und entzünden sich. Diese Nerven versorgen unter anderem Muskeln der Hinterbeine und der Rute. In der Folge kommt es auch bei dieser Krankheit zu neurologischen Ausfällen und Bewegungsstörungen. Die Symptome treten oft erst bei etwas älteren Hunden und bei größeren Rassen auf. Sie entwickeln sich über Wochen und Monate.

Hunde mit CES haben Schmerzen beim Aufstehen, springen nicht mehr gern und wollen nicht mehr am Rücken angefasst werden. Die Hinterläufe sind schwach, sie zeigen Lahmheiten oder sogar Lähmungen und haben die Bewegungen nicht mehr unter Kontrolle. Schleifende Pfoten und abgelaufene Krallen sowie ein kraftlos hängender Schwanz sind weitere Symptome.

Wobbler Syndrom

Das Wobbler Syndrom beschreibt mehrere verschiedene Erkrankungen, die durch Schädigungen der Rückenmarksnerven im Bereich der Halswirbelsäule hervorgerufen werden.

Betroffen sind oft große Rassen mit langen, kräftigen Hälsen wie der Dobermann, die Deutsche Dogge, Dalmatiner oder Rhodesian Ridgebacks.

Das Syndrom kann von verschiedenen Erkrankungen wie einem Bandscheibenvorfall ausgelöst werden. In der Folge wird das Rückenmark in den Halswirbeln gequetscht. Hunde mit langen Hälsen sind gefährdeter, da die Form ihrer Wirbel zu einer Instabilität führt, was die Bandscheiben belastet.

Hunde entwickeln durch diese Beschädigung des Rückenmarks und der Nerven auffällige Koordinationsstörungen. Vor allem die Hinterbeine machen größere, höhere und nach außen greifende Schritte, währen die Vorderbeine trippeln. Hunde entwickeln also zwei verschiedene Gangmuster. Verschiedene Operationsmethoden und Therapien können Linderung schaffen – die Heilungschancen hängen aber immer von den Ursachen des Wobbler Syndroms ab.

Zeigt ein Hund also Pfotenschleifen, ist es wichtig, einen Tierarzt um Rat zu fragen und die Ursache zu finden. Hilfreich ist auch ein Blick auf die Krallen: Hunde, die mit den Pfoten schleifen, wetzen sich in der Regel auch die Krallen ab. Neben der tierärztlichen Behandlung und Physiotherapie kann ein orthopädisches Hundebett oder eine sinnvoll gepolsterte Hundematte dem Vierbeiner komfortableres Liegen und Ruhen ermöglichen.

 

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