Wenn die Einzeller zuschlagen

Giardiose beim Hund – was tun?

Malteser Susi ist abgeschlagen. Ihr Fell ist stumpf geworden und die Hundedame hat den Appetit verloren. Als sie dann noch blutigen Durchfall bekommt, lässt sich der Weg zum Tierarzt nicht mehr länger vermeiden. Die Diagnose ist eindeutig: Susi hat Giardien.

Giardia intestinalis, auch Giardia lamblia oder Giardia duodenalis genannt, sind einzellige Parasiten, die den Magen-Darm-Trakt befallen – übrigens auch bei Menschen und anderen Tierarten wie Katzen oder Tauben. Sie ernähren sich von den Kohlenhydraten in der Nahrung im Verdauungstrakt. Giardien durchlaufen verschiedene Stadien, halten sich an der Darmwand fest und beschädigen die Darmzotten. Hunde scheiden sie ab einem gewissen Entwicklungsstadium über den Kot aus – sie können lange überlegen und sind extrem robust. Die unterschiedlichen Typen der Einzeller sind wirtsspezifisch, allerdings ist einer davon auch für den Menschen ansteckend.

Haben sich die Einzeller im Magen-Darm-Trakt des Hundes massiv vermehrt und zeigt er Krankheitssymptome, spricht man von Giardiose. Vor allem Welpen und alte Hunde mit schwachem Immunsystem sind davon betroffen.

Giardien sind durchaus verbreitet. Viele Hunde stecken sich erst gar nicht an, andere werden zwar infiziert und scheiden als Wirte die Zysten aus, zeigen aber keine Symptome und kommen allein mit den Parasiten klar. Doch manche Tiere mit geschwächtem Immunsystem brauchen Unterstützung, weil sie die Giardien nicht mehr alleine loswerden und unter den Folgen der Infektion leiden. Schätzungen zu Folge sind rund 15 bis 20 Prozent aller Hunde mit Giardien infiziert.

Ansteckung

Giardien sind hochansteckend. Auch, nachdem der Hund sie ausgeschieden hat, bleiben sie infektiös. Ein Hund kann sich also infizieren, indem er an einem Haufen schnuppert, der sich schon fast aufgelöst hat. Auch über Wasser werden sie häufig übertragen.

Den Hund vor dem Kontakt mit Giardien schützen zu wollen, indem man ihm den Kontakt mit anderen Hunden verbietet oder ihn nicht mehr an Hundehaufen schnüffeln lässt, ist deswegen sinnlos. Wir können die Ansteckungsszenarien unmöglich alle kontrollieren. Giardien sind allgegenwärtig und ein gesundes Immunsystem kommt gut mit ihnen klar.

Symptome der Giardiose beim Hund

Giardien lösen bei den Hunden Symptome aus, deren Immunsystem bereits geschwächt ist oder die bereits unter einer anderen Krankheit leiden. Häufigstes Symptom ist heftiger, auch blutiger Durchfall, außerdem Erbrechen und Gewichtsverlust. Schließlich verstoffwechseln die Einzeller selbst die Nahrung des Hundes. Auch Blähungen und Bauchschmerzen können von Giardien ausgelöst werden. Der Allgemeinzustand des Hundes verschlechtert sich, das Fell verliert seinen Glanz und der Hund den Appetit. Auch weiterführende Symptome wie Juckreiz, Steifheit und Ekzem kommen vor.

Bei einer Infektion treten die Symptome in Intervallen auf. Ein Hund, der eine oder zwei Wochen beschwerdefrei war, leidet dann erneut. Der Kot kann außerdem eine weiche, dünne Konsistenz haben, gelblich sein und faulig stinken.

Diagnose

Ein Giardienbefall lässt sich leicht beim Tierarzt nachweisen. Dafür sind Kotproben notwendig, die über mehrere Tage gesammelt werden.

Behandlung der Giardiose

Ziel der Behandlung ist zunächst, die Symptome in den Griff zu kriegen und dann die Einzeller loszuwerden oder zumindest soweit zu reduzieren, dass das Immunsystem des Hundes mit ihnen wieder klarkommt. Der Tierarzt wird den Hund entweder mit Fenbendazol (Panacur) oder Metrobactin behandeln.

Der Hundebesitzer sollte auf Hygiene zuhause achten. Liegedecken müssen heiß gewaschen, Spielzeug abgekocht und der Kot eingesammelt werden. Es kann auch helfen, seinen Hund zu waschen, um Zysten aus dem Fell zu entfernen. Denn durch die Präsenz der Giardien kann sich auch ein Hund, der die Einzeller losgeworden ist, sofort wieder neuinfizieren.

Ein Tipp, den man häufig hört, ist eine kohlenhydratarme Ernährung des Hundes. Also kein Getreide, keine Kartoffeln, kein Reis oder Zucker und damit auch kein Trockenfutter. Dieser Rat ist aber mit Vorsicht zu genießen. Denn zum einen braucht der kranke Hund Kohlenhydrate um seinen Energiebedarf zu decken, vor allem, wenn er Durchfall hat und schnell aufschließbare Nährstoffe benötigt. Zum anderen bringen plötzliche Futterwechsel den geschwächten Organismus erst recht aus der Bahn.

Das Immunsystem des Hundes stärken

Da der Befall mit den Einzellern auf ein schwaches Immunsystem hinweist, sollten neben der medikamentösen Behandlung außerdem die Abwehrkräfte des Hundes gestärkt werden. Bei akutem Bedarf helfen dabei nicht nur Präparate und Nahrungsergänzungsmittel. Der ganz normale hundegerechte Alltag unterstützt den Hund schon sehr darin, wieder gesund und stark zu werden. Dazu gehören zum einen eine ausgewogene Ernährung, die alle Mineralien, Nährstoffe und Vitamine bietet, die der Vierbeiner benötigt. Natürlich auch ausreichend Wasser. Außerdem braucht ein Hund regelmäßige Bewegung und frische Luft. Spaziergänge tun dem Vierbeiner gut. Wer seinen Hund nicht immer freilaufen lassen kann, der ist mit einem wasserabweisenden Halsband und entsprechender Leine auf alles vorbereitet. Doch bei allem Tatendrang: Wichtig ist, dass Aktivität und Entspannung im Gleichgewicht sind. Genügend Schlaf und Pausen sorgen dafür, dass sich der Vierbeiner wieder regenerieren kann – zu viel Input stresst jeden Hund.

 

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