Blutegeltherapie für Hunde – das kann sie leisten

Mischling Mirko leidet unter fieser Arthrose. Immer, wenn es kälter und feuchter wird, läuft er schlechter und steifer und büßt an Lebenslust ein. Sein Frauchen hat deswegen entschieden, Blutegel setzen zu lassen.

Blutegel, die wurmartigen Kriechtiere aus der Gattung der Regenwürmer, werden schon seit Jahrtausenden überall auf dem Globus als Heilmethode eingesetzt – im Mittelalter war die Therapie gang und gäbe und im 19. Jahrhundert erlebte sie einen solchen Höhepunkt, dass sie den Bestand der Egel stark dezimierte. Heute ist die Wirkung untersucht und der Blutegel sogar als Arzneimittel zugelassen. Wiederentdeckt wurde die erstaunlichen Kräfte der Egel in der Humanmedizin in den 1980er Jahren, als sie den Blutfluss an der Wunde eines abgerissenen Ohrs wieder anregten und das Körperteil so wieder anwachsen konnte. Blutegel kommen zum Beispiel in der Unfall- und der plastischen Chirurgie zum Einsatz.

Hirudo verbana, der Blutegel, besitzt an beiden Enden einen Saugnapf. Am vorderen sitzt das Maul mit seinen beweglichen Zähnen aus Kalk. Mit ihnen raspelt sich der Egel durch die Haut. Einmal vollgesogen verdoppelt oder verdreifacht er sein Gewicht und seine Länge und kann über 20 Zentimeter lang werden. Im Wasser schwimmen Blutegel durch Wellenbewegungen im Körper, an Land nutzen sie die Saugnäpfe zum Vorankommen und zum Festhalten.

Die Wirkung von Blutegeln

Der Speichel des Blutegels ist voller Stoffe, die verschiedene Wirkungen entfalten und deswegen vielfältig eingesetzt werden können. Der Egel gibt sie beim Saugen ins Blut des Wirtes ab. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass der Biss kaum spürbar ist und der Hund keinen Juckreiz verspürt.
Ein Wirkstoff aus dem Speichel ist Hirudin. Es hemmt die Blutgerinnung und sorgt dafür, dass die Bissstelle offen bleibt – deswegen ist die Blutegeltherapie wie ein kleiner Adlerlass. Weitere Bestandteile des Speichels sind der Entzündungs- und Gerinnungshemmer Eglin sowie das antibiotische Hyaluronidase, das auch die Gefäße weitet. Calin wirkt wundreinigend und Apyrase verhindert das Zusammenklumpen der Blutplättchen. Über 100 Substanzen wurden im Sekret der Würmer nachgewiesen.

Die Therapie mit Blutegeln hat also eine blutreinigende und entgiftende Wirkung: Der Speichel regt die Durchblutung an, kann helfen Schlacken abzutransportieren, wirkt entzündungshemmend, antithrombotisch und wahrscheinlich auch schmerzstillend. Der Therapie wird außerdem nachgesagt, dass sie Krämpfe löst, entstaut und entspannt. Auch der Lymphfluss wird angeregt. Da die Blutegeltherapie die inneren Organe nicht belastet, ist sie auch ideal für ältere Vierbeiner wie Mirko.

Die Anwendung von Blutegeln beim Hund

Blutegel können bei einer Vielzahl von inneren und äußeren Leiden eingesetzt werden und helfen bei Entzündungen im Körper. Sie spüren die Hitzeherde und beißen dort besonders gut. Egel kommen zum Einsatz bei Hauterkrankungen wie Ekzemen und Abszessen, bei Schwielen und Blutergüssen, bei Quetschungen, schlecht heilenden Wunden, Narben und Ödemen. Sie unterstützen die Wundheilung auch bei Amputationsstümpfen.
Auch bei Erkrankungen des Bewegungsapparats können Blutegel unterstützen: Bei Schleimbeutelentzündungen oder Gallen, bei Arthrose und Arthritis oder Gelenkfehlbildungen. Sie kommen zudem bei Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen oder Bänder- und Muskelfaserrissen zum Einsatz, können Nervenreizungen und -entzündungen lindern und Entlastung bei Wirbelsäulenbefunden wie Bandscheibenvorfällen oder Spondylosen bringen. Auch bei Krankheiten der Blut- und Lymphgefäße können Egel eingesetzt werden.

Natürlich gibt es Kontraindikationen wie Blutarmut oder Diabetes – deswegen ist es wichtig, die Therapie von einem professionellen Therapeuten durchführen zu lassen, der auch nur Blutegel einsetzen wird, die frei von Krankheiten sind. Die Blutegeltherapie ist meist sehr verträglich, aber auch hier sind Nebenwirkungen möglich: wie Rötungen um den Biss, allergische Reaktionen oder Entzündungen. Manche Hunde reagieren mit Müdigkeit oder leichtem Fieber.

Die Behandlung

Vor der Behandlung hat Mirkos Frauchen sichergestellt, dass er nicht mit einem duftenden Shampoo gewaschen wurde und auch die Parasitenmittel abgesetzt: Das Flohhalsband hat sie eine Woche vorher entfernt. Denn Blutegel beißen nicht, wenn sie Chemikalien oder andere künstliche Gerüche wahrnehmen.
Auch Medikamente wie Blutverdünner oder Gerinnungshemmer müssen in Absprache mit dem Therapeuten vorher abgesetzt werden.
Die Behandlung erfordert Ruhe und idealerweise einen halbdunklen Raum, damit weder Egel noch Hund gestresst sind. Liegt der Hund, können die hungrigen Egel an den gesäuberten Hautstellen angesetzt werden – bei Mirko die Gelenke der Vorderbeine. Abhängig von dem Befund und der Größe des Hundes werden mehrere Egel auf einmal angelegt. Meist beißen die Tiere sich schnell fest. Sie saugen in der Regel zwischen 30 Minuten und einer Stunde und lassen sich fallen, wenn sie fertig sind.

Wichtig: Man darf nicht versuchen, die Egel zu entfernen, bevor sie mit ihrer Mahlzeit fertig sind. Der Egel saugt einige Milliliter Blut – auch nach dem Biss blutet die Wunde weiter. So bleibt sie keimfrei. Die Wunde wird mit einem saugstarken Verband geschützt – das Bluten sollte aber auf keinen Fall verhindert werden, da es Teil der Therapie ist.
Manchmal zeigt sich eine Besserung bereits nach der ersten Behandlung, bei chronischen Leiden wie Mirkos Arthrose kann die Therapie im Abstand einiger Tage wiederholt werden.

Nach der Behandlung sollte man darauf achten, dass sich der Hund nicht an der Bissstelle kratzt – Krusten oder Schorf dürfen nicht entfernt werden. Ruhige Spaziergänge sind natürlich möglich, aber auf anstrengenden Sport sollte erstmal verzichtet werden. Damit der Hund sich ausruhen kann, ist ein gemütlicher Ruheplatz besonders wichtig. Mirko liegt zum Beispiel am liebsten auf seiner orthopädischen Hundematte.

 

Be the first to reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.