Probleme mit der Leinenführigkeit und wie man sie lösen kann

Eigentlich wollte Janina mit ihrem Schnauzer Terry einen gemütlichen Spaziergang machen. Aber der ungestüme Vierbeiner hängt sich mit aller Kraft in die Leine, läuft ihr ständig vor die Füße und ist mit seiner Aufmerksamkeit überall, aber nicht bei ihr.

Spätestens, wenn ihre Arme und Schulter anfangen weh zutun, verliert Janina die Lust. Sie ist dabei in guter Gesellschaft: Probleme mit der Leinenführigkeit sind ein gängiges Problem unter Hundeliebhabern.

Die Ursachen, warum es nicht klappt mit den entspannten, harmonischen Runden, sind vielfältig: Sie beginnen damit, dass oft bei Mensch und Tier Unklarheit herrscht, was genau eigentlich unter Leinenführigkeit verstanden wird. Bedeutet Leinenführigkeit, dass der Hund brav bei Fuß an der losen Leine geht und seine Aufmerksamkeit immer beim Menschen hat? Oder, dass er eigenständig dafür sorgt, dass die Leine durchhängt? Es ist wichtig, dass der Mensch hier Klarheit hat und immer die gleichen Anforderungen stellt, um seinen Vierbeiner nicht zu verwirren.

Trainigsmethoden

Ein weiteres Problem sind unpassende Trainingsmethoden: Gängig ist zum Beispiel, einfach stehen zu bleiben oder die Richtung zu wechseln, wenn der Hund an der Leine zieht. Das Problem dabei: Der Hund lernt dann zwar, was er nicht tun soll, weil das Vorwärts eingestellt wird. Aber er weiß nicht, was stattdessen von ihm erwartet wird.
Sollen Hunde an der Leine vor dem Menschen her gehen, ist das auch nicht so einfach: viele schauen dann ständig über die Schulter zurück, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten und den Moment nicht zu verpassen, wenn der Zweibeiner eine Anfrage stellt.
An der Leine zu reißen oder zu rucken, ist ebenfalls keine kluge Methode: Sie ist pädagogisch nicht sinnvoll, kann dem Hund außerdem erhebliche Schmerzen zufügen und sogar Schäden an Kehlkopf und Wirbelsäule verursachen.

Was beim Thema Leinenführigkeit auch gern übersehen wird: Oft haben Hunde die Kommandos gar nicht gelernt oder verinnerlicht. Werden sie trotzdem häufig wiederholt, ohne, dass der Hund sie verstanden hat, wird er sie künftig einfach ignorieren und als Nebengeräusche ausblenden.

Wichtig! Lob zur richtigen Zeit

Oft wird auch schlicht vergessen, den Hund zu loben. Geht er brav mit oder liegt er ruhig im Körbchen, nimmt Herrchen das so hin. Aufmerksamkeit und Schimpfe gibt es dann, wenn er einen Fehler macht. Der Hund lernt dann, dass er für ein Fehlverhalten Aufmerksamkeit bekommt – und das ist besser, als ignoriert zu werden. Hier hilft es, bewusst zu loben, wenn der Hund gar nicht damit rechnet.

Und noch ein Thema: Gerade Hunde, die nicht gelernt haben zur Ruhe zu kommen, verbinden einen Spaziergang mit Action. Wenn er schon als Welpe nicht gelernt hat, dass er sich nicht in die Leine hängen soll, kann er das als erwachsener Hund natürlich auch nicht. Hinzu kommt: Die Begrenzung und Einschränkung durch die Leine stimuliert zusätzlich und lässt ihn stärker und schneller auf andere Reize reagieren.

Wer führt wen?

Terry zieht an der Leine, weil er gelernt hat, dass es sich lohnt: Janina gibt meistens nach und er kommt schneller zur Schnüffelstelle. Vorwärtsbewegung allein kann schon reichen als Belohnung. Hunde lernen aber nicht nur beim Spaziergang: Leinenführigkeit beginn im Alltag. Je mehr Entscheidungen der Hund alleine trifft, desto mehr Verantwortung übernimmt er. Und entsprechend versteht er nicht, wenn auf dem Spaziergang Frauchen auf einmal etwas bestimmen will. Hier braucht der Hund eine deutlichere Führung durch den Menschen – das gelingt, indem der Mensch die Initiative für Spiel oder Streicheln ergreift und sich nicht von seinem Vierbeiner beeinflussen lässt. Klare Regeln, die auch durchgesetzt werden, sorgen für eine bessere Beziehung.

Außerdem gilt: Futter und Lob sind prima Verstärker für ein Verhalten, aber allein sind sie nicht genug. Es ist nicht sinnvoll seinen Vierbeiner zu locken und zu bestechen. Er wird das Futter nehmen und schnell mit der Aufmerksamkeit wieder woanders sein.

Leinenführigkeit trainieren: So gelingen entspannte Spaziergänge

Es gibt zahlreiche Methoden, um einen Hund die Leinenführigkeit beizubringen. Nicht jede Technik passt zu jedem Vierbeiner. Deswegen ist es sinnvoll, mehrere Ansätze zu verstehen und anwenden zu können. Und natürlich braucht es Geduld und Wiederholungen.
Für das Training ist eine Leine mit einer Länge von zwei oder drei Metern sinnvoll, damit der Hund mehr Spiel und Bewegungsradius hat und nicht sofort in eine Grenze hinein läuft. So kann er nur Fehler machen.

Wie fängt man an?

Am Anfang ist es hilfreich, die Leine positiv zu verknüpfen. Man kann dem Hund sie deswegen bei allen möglichen Dingen – Fressen, Streicheln oder Spielen – anlegen. Leinentraining ist für den Hund gerade am Anfang keine leichte Aufgabe und erfordert viel Konzentration. Deswegen ist es sinnvoll, mit kurzen, intensiven Einheiten einzusteigen und die Länge langsam zu erweitern. Außerdem sollte in einer ruhigen Umgebung ohne viel Ablenkung begonnen werden – entweder im Haus oder im eigenen Garten. Hat der Hund viel Energie, darf er sich vor der Einheit auspowern.
Ziel der Übung ist, dass der Hund lernt, dass es seine Verantwortung ist, die Leine locker zu halten. Dafür muss er sich am Menschen orientieren.

Man spricht den Hund an, als Signal, dass es losgeht und startet mit einer lockeren Leine. Folgt der Vierbeiner, wird er sofort gelobt und belohnt. Wichtig ist dabei, dass der Hund aufmerksam ist. Sollte er an der Leine ziehen, spricht man ihn an – reagiert er nicht, wendet man sich ab, geht einen Schritt zurück und ignoriert ihn. Weiter geht es erst, wenn die Leine wieder locker ist. Viele Hunde wenden sich ihrem Menschen dann zu und fragen, wie es weiter geht. Für diese Kontaktaufnahme wird der Vierbeiner natürlich gelobt. Die Einheit schließt ein Kommando wie „frei“ ab.
Klappt das, kann die Leinenführigkeit auf einem Zickzack-Kurs geübt werden. Dabei ist es wichtig, dass der Mensch eine ganz klare Körpersprache hat und sein Ziel genau ansteuert. Geht der Hund gut mit, kann der Schwierigkeitsgrad weiter gesteigert werden, indem man sich in ein Terrain begibt, das mehr Ablenkungen parat hat.

 

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