Gäste im Haus und ein entspannter Hund – so geht’s

Mia würde sehr gern öfter Freunde zu sich einladen und in netter Runde schöne Abende verbringen. Allerdings hat sie ein Problem: Ihr Münsteraner Jacob sieht das anders. Der Rüde gerät massiv unter Stress, sobald „Fremde“ im Haus sind – sich schließende Autotüren sind das erste Alarmsignal. Ertönt dann die Klingel, gibt es kein Halten mehr.

Es gibt eine ganze Reihe Gründe, warum sich Hunde in Rage bellen und in Aufregung geraten, sobald sich Besuch ankündigt. Manche Vierbeiner sind regelrechte Wächter und fühlen sich in der Verantwortung Haus und Hof zu verteidigen. Andere freuen sich über neue Menschen und wollen sie ausgiebig begrüßen – inklusive Anspringen und Ablecken. Und wieder andere haben einfach Stress mit Fremden und Besuchern, weil sie Angst haben.
Natürlich reagieren Hunde mit unterschiedlichen Erregungsgraden, da sie wie Menschen unterschiedliche Persönlichkeiten haben. Während sich einige wieder einkriegen, bleiben andere während des gesamten Besuchs unter Strom.

Auch der Mensch sollte sich ändern!

Der Mensch hat zur Eskalation meistens ordentlich beigetragen – wenn auch nicht mit Absicht.
Besuch oder das Klingeln an der Tür bedeutet immer eine Form von Trubel, von Bewegung, von vielen Menschen in meist engen Fluren.
Wie es dem Hund dabei geht, wird im Eifer des Gefechts gar nicht wahrgenommen.
Die allgemeine Aufregung steckt den Hund an. Und auch, wenn es nur der Postbote ist, der klingelt: Sein Mensch reagiert, ist möglicherweise genervt, beeilt sich zur Tür zu kommen, um zu öffnen – und der Vierbeiner spürt die Anspannung.
Hinzu kommt, dass die Besucher natürlich nicht per se „hündisch“ verstehen und unbeabsichtigt Verhaltensweisen des Hundes bestärken – so dass dieser immer höher fährt und weiterhin bellt oder die Neuen im Haus anspringt.

Hund bei Besuch entspannen: Mit gezieltem Training zum Erfolg

Um das Problem zu lösen, gibt es verschiedene Ansätze. Wichtig dabei: Der Mensch muss wissen, welches Verhalten er genau will. Das war für Mia der erste Aha-Moment. Denn sie wusste vor allem, was sie nicht wollte: einen lauten, randalierenden Jacob. Ihr Trainingsziel wurde es, dass Jacob auf seiner Decke bleibt, wenn es klingelt. Die Idee hinter ihrem Trainingsansatz: Hunde tun das, was sich für sie lohnt.
Mia bemühte sich zudem bei den Trainingseinheiten – und die waren häufig, denn ohne Wiederholung und Durchhaltevermögen lässt sich kein Alternativverhalten aufbauen – immer um Ruhe und Entspannung.

Die Verknüpfung mit der Klingel ändern

Ein erster Schritt im Training kann sein, die Klingel von Besuch und Aufregung abzukoppeln. Man könnte das Klingeln mit Aufmerksamkeit und Futter verknüpfen. Das kann man üben, indem man mit dem angeleinten Hund an der Haustür steht und er für jedes Mal klingeln ein Leckerli erhält. Ziel der Übung ist, dass der Hund sich dem Menschen zuwendet, wenn die Klingel ertönt. Ist das erreicht, klingelt ein Helfer, während man sich mit dem Hund immer weiter von der Haustür entfernt – Ziel ist der Ruheort, an dem der Hund in Zukunft warten soll, wenn es klingelt. Am Ende erhielt Jacob also auf seinem Platz immer ein Leckerli, sobald es klingelte. Er hatte verstanden, dass es sich für ihn lohnte – und dass er sich seine Aufregung sparen konnte, da ja kein Besuch auftauchte, obwohl es ständig läutete. Festigen kann man das, indem jeder klingelt, der nach Hause kommt und der Hund auf seinem Platz jedes Mal in diesem Moment belohnt wird.

Ein Ruheplatz ist wichtig

Damit das gut klappt, sollte der Hund natürlich schon vorher verstanden haben, dass es einen Ruheplatz gibt. Dabei ist es wichtig, dass er nicht nur einfach gehorsam ist oder eine solch starke Impulskontrolle besitzt, dass er trotzdem bleibt, obwohl er viel lieber den Besuch begrüßen wurde.
Der Hund soll stattdessen real entspannt sein und gern auf seiner Decke liegen bleiben. Er versteht, dass Besuch für ihn Ruhezeit bedeutet.
Ein realer Rückzugsraum ist am besten in einem anderen Zimmer, damit die Besucher den Hund auch in Ruhe lassen und er nicht gestört wird, weil er ständig etwas zu beobachten hat.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Hund alleine in einem anderen Zimmer bleiben kann, während sich die Familie anderswo in der Wohnung aufhält.
Kündigt sich Besuch an, sollte der unbedingt auf das Training mit dem Vierbeiner hingewiesen werden. Sagen Sie Ihren Gästen, wie sie Sie unterstützen können. Das kann sein, die Klingel nicht zu benutzen oder den Hund zu ignorieren und nicht anzusprechen, ganz nach dem Stand des Trainings.
Ein entspannter Hund, wenn es an der Haustür klingelt, ist Arbeit – deswegen ist es wichtig, mit dem Training nicht erst anzufangen, wenn das Essen mit den Gästen terminiert ist, sondern rechtzeitig.

 

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